Für die balinesische Bevölkerung gibt es ein kleines Ritual, das fast jeden Tag direkt nach dem morgendlichen Kochen durchgeführt wird. Das Ritual heißt Mebanten Saiban (auch oft Ngejot oder Yajna Sesa genannt).
Wenn Sie nach Bali reisen und zwischen 7 und 9 Uhr morgens vor den Häusern der Einheimischen vorbeigehen, sehen Sie oft kleine Behälter aus Bananenblättern mit etwas Reis und Beilagen, die auf dem Boden, auf dem Herd oder in der Nähe einer Wasserquelle platziert sind.
Was ist also die eigentliche Bedeutung hinter dieser einfachen Gewohnheit? Lassen Sie uns das auf lockere Art besprechen!
Was ist Mebanten Saiban?
Wörtlich bedeutet Saiban „frisch gekochtes Essen“ oder das erste gekochte Essen, das noch nicht berührt wurde (noch von niemandem gegessen wurde).
Bevor der Haushalt also frühstückt, wird ein kleiner Teil des frisch gekochten Essens „beiseitegestellt“ und als Opfergabe dargebracht. Der Behälter ist sehr einfach, meist nur ein kleines quadratisches Stück Bananenblatt (tamas klein oder ituk-ituk). Der Inhalt ist das, was an diesem Tag gekocht wird – wenn Sie Reis, Wasserspinat und gebratenen Tofu kochen, wird das geopfert.
Tiefere Bedeutung hinter dem einfachen Ritual
Obwohl es unbedeutend erscheint und nur 5 Minuten dauert, hat Mebanten Saiban eine sehr tiefe spirituelle und soziale Bedeutung für die Hindus auf Bali:
1. Die kleinste, aber realste Dankbarkeit
Dies ist eine Form des direkten Dankes an Ida Sang Hyang Widhi Wasa (Gott) in seiner Manifestation als Dewi Sri (Göttin der Fruchtbarkeit/des Reises) und Dewa Brahma (Gott des Feuers/der Küche), weil die Familie an diesem Tag noch essen kann. Die Balinesen glauben, dass das, was wir heute essen, ein Segen ist, und daher ist es nur recht, dass Gott durch diese Opfergabe zuerst „kostet“.
2. „Schulden“ gegenüber der Natur begleichen (Panca Yadnya)
Bewusst oder unbewusst verursachen wir beim Kochen kleine „Zerstörungen“ an der Natur. Wir schneiden Gemüse, pflücken Chilischoten, machen Feuer, verbrauchen Wasser und töten vielleicht sogar versehentlich Ameisen oder kleine Insekten beim Reinigen der Küche.
Mebanten Saiban ist ein Ritual, um diese kleinen Sünden zu sühnen (Bhuta Yadnya). Wir danken und entschuldigen uns bei den Naturelementen (Erde, Wasser, Feuer, Luft), die sich für unser Überleben geopfert haben.
3. Teilen mit unsichtbaren Wesen
Im balinesisch-hinduistischen Konzept wird das Universum von sekala (sichtbaren) und niskala (unsichtbaren) Wesen bewohnt. Die Saiban-Opfergabe, die auf dem Boden oder im Hof platziert wird, ist für die Bhuta Kala (Kräfte der Unterwelt oder Geister um das Haus herum) bestimmt.
Der Zweck ist edel: Essen teilen. Die Logik dahinter ist: Wenn die Wesen um das Haus herum bereits „satt“ sind und gut begrüßt werden, werden sie die Harmonie unseres Haushalts nicht stören. Dies ist eine greifbare Form des Konzepts von Tri Hita Karana (Aufrechterhaltung guter Beziehungen zwischen Mensch und Natur/Umwelt).
Wo wird diese Opfergabe platziert?
Normalerweise wird die Saiban-Opfergabe an wichtigen Orten platziert, die mit den täglichen Aktivitäten zu Hause zusammenhängen, zum Beispiel:
Pelinggih/Sanggah: Der heilige Bereich des Hauses (Dank an die Manifestation Gottes).
Küche/Ofen: Wo das Feuer brennt (Dank an Dewa Brahma).
Wasserquelle/Brunnen: Quelle für sauberes Wasser (Dank an Dewa Wisnu).
Reislager/Cikar: Quelle der Lebensmittelvorräte (Dank an Dewi Sri).
Vorgarten/Hauseingang: Wo Menschen und andere Wesen vorbeikommen, damit das Haus immer sicher ist.
Fazit
Mebanten Saiban ist eine tägliche Erinnerung für die Balinesen, nicht egoistisch zu sein. Dieses Ritual lehrt, dass wir, bevor wir unseren eigenen Magen stillen, an Gott denken müssen, der uns Nahrung gibt, an die Natur, die die Zutaten liefert, und an andere Wesen, die den Lebensraum mit uns teilen.
Es geht nicht um die Größe der Opfergabe, sondern um die Beständigkeit der Dankbarkeit, die jeden Morgen praktiziert wird. Eine schöne Tradition, die Bali von der heimischen Küche aus harmonisch hält.












